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Archive for Dezember 2009

Der Regen bleibt aus

Wir sehen eine Ziegenherde unter einem Baum grasen und Bata erzählt vom Klimawandel. Wie früher alles grün war, es oft und heftig regnete und es immer ausreichend Wasser gab. Jetzt regnet es selten. Die Bäume wurden weniger, wenn einer gefällt wurde, wuchs kaum ein neuer nach. Das grün wurde regelmäßig abgehackt und den Ziegen als Futter gegeben, Gras gab es kaum noch, das sie hätten fressen können. Über den Klimawandel habe ich schon viel gehört und gelesen, Bilder von geschmolzenen Gletschern und ausgetrockneten Flußbetten gesehen. Dennoch wird mir hier in Tilonia die Unausweichlichkeit und das Schicksal derer, die nicht einfach woanders hin umsiedeln können, auf das Heftigste deutlich.

Der Regen bleibt aus

Das Barefoot College macht viel, um das Leben auch in einer trockeneren Zeit lebbar zu machen – Regenwasser wird aufgefangen und unter der Erde gespeichert (darüber wird noch mehr zu berichten sein) und sparsam verwendet für Mensch, Tier und Pflanzenzucht. Aber es bleibt dürr, es bleibt trocken, der Regenwasserspeicher wird immer seltener und immer weniger voll. Es fehlt Grün und es wird immer weniger grün geben. Noch wachsen in Tilonia auch rot blühende Büsche. Doch schon außerhalb der Campus Oase wirkt die Fauna trocken und frei von bunten Farben. Neben dem Gefühl der Ohnmacht – der Prozess hier in Tilonia scheint kaum mehr aufzuhalten – steigt in mir auch Wut hoch. Wut auf die Großen Entscheider dieser Welt, der Vertreter von über 100 Ländern, die in Kopenhagen die Chance vertan haben, dem Klimawandel entschlossener zu begegnen, gemeinsam ehrgeizige Ziele zu beschließen, die für Millionen Menschen das nackte Überleben bedeuten. Dazu kam es leider nicht. Die Weltpolitik hat aus verschiedensten Partikularinteressen versagt und Tausende Dörfer erleben ein Schicksal wie Tilonia – nur ohne College und ohne Beistand. Viele Tausende Dörfer werden einem ähnlichen Schicksal entgegen gehen und machtlos das Verschwinden des Grüns aus ihrer Landschaft erleben müssen.

Tilonia – einziges vollständig solarelektrifiziertes College Indiens

In Tilonia schimpft man nicht auf Kopenhagen, man wartet auch nicht auf Politiker, etwas am Weltklima zu verändern. In Tilonia fängt man damit selbst an. Das College ist das einzige vollständig solarelektrifizierte College in Indien.

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Abstecher in die Spulerei – und wieder eine Reise in die eigene Vergangenheit

Auf dem alten Campus – die meisten Häuser sind noch aus kolonialen Zeiten – werfen wir noch einen Blick in eine Art steinernen Schuppen, ein recht dunkles Gemäuer mit weit geöffnetem Scheunentor. Im Dunkel des Inneren steht ein riesiger alter Holzwebstuhl mit zwei Pedalen. Er ist reparaturbedürftig  und daher gerade nicht genutzt.

Meine Gedanken wandern zurück in das Jahr 1986, als ich 18jährig in der „PGH 5. Parteitag“ (PGH=Produktionsgenossenschaft des Handwerks) arbeitete. Viele Monate saß ich an einer alten Stickmaschine aus der vorigen Jahrhundertwende, betrieben mit einem später anmontierten Motor und gesteuert über eine kleine Kurbel unter der Arbeitsplatte. Ich habe tausende Male die Zahlen von 1-13 auf Wasserballermützen gestickt – erst die Umrandung, dann den ein cm breiten Zahlen-Balken mit vielen kleinen Kreisen „ausgemalt“, entweder in weiß auf blau oder in blau auf weiß, nur die eins gab es in einer rot-weiß Kombination. Ein paar Monate war ich jedoch auch in der Handweberei, lernte mit einem 6 pedaligen Handwebstuhl weben, auch jener war schon viele Jahrzehnte alt. Das Klack Rumm Klack Rumm Klack Rumm des durch das Fadenfach sausenden Schiffchens und des anschlagenden Webkamms singen mir noch im Ohr.

Zwischendurch musste ich Garn spulen, an Maschinen die noch Vorkriegsware sind – vor dem 1. Weltkrieg. Mit Arbeitsschutz hatte das wenig zu tun. Vor mir sausten damals 20 kleine Spulen, die von großen Spulen alle gleichzeitig aufgefüllt wurden. Wenn ein Faden riß oder eine Spule leer war, griff ich mitten hinein in die weiterlaufende Apparatur, zog die Pappspule von ihrer Halterung, befestigte den Faden und steckte die Spule auf. Das ganze musste blitzschnell gehen.

In einem anderen Raum wurde das Webgarn gehaspelt, also von dicken Spulen abgewickelt und in vielen parallelen Fäden in einer übermannshohen Halterung wieder aufgewickelt (wer das Wort „Haspel“ und „haspeln“ nicht kennt kann hier eine Wikipedia Beschreibung lesen). Genauso eine Apparatur stand auch in diesem Gemäuer. Eine Frau in roter traditioneller Kleidung arbeitete daran.

an der Haspel

Hier schien der Prozess mit deutlich weniger Hektik abzulaufen als bei mir vor über 20 Jahren. Als ich erzähle, dass ich diese Arbeit auch schon einmal gemacht habe, leuchten die Augen der jungen Frau und ihre Zähne blitzen in einem strahlenden Lächeln. Es ist merkwürdig. Seit meiner Ankunft hatte ich schon so viele innere Begegnungen mit meiner eigenen Vergangenheit. Mit allem hatte ich gerechnet bei meiner Reise, aber damit nicht.

strahlendes Lächeln in Tilonia

Wir spazieren noch eine kleine Runde über den alten Campus. Bata zeigt mir die Messe, in der die angehenden Solaringenieurinnen gemeinsam essen, die Duschen, die über eine Dachsolarheizung mit warmem Wasser versorgt werden, den Spielplatz, auf dem eine Handvoll Kinder im Kreis ein Spiel mit Steinchen spielt und Bata erzählt. Sie erzählt, wie sie hier seit sie 2 Jahre alt war gelebt, gespielt und gelernt hat, wie ihr ganzes Leben mit dem barefoot college verbunden ist. Sie erzählt auch von dem Unfall vor vier Jahren, bei dem sechs college Bewohner ums Leben kamen, einer davon war ihr Vater. Sie sagt, dass ihr der Beruf als Kommunikationsverantwortliche nicht nur Spaß macht, er ist für sie auch eine Ehrung des Vaters, seine Aufgabe fortzuführen.

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Was ist ein Charge Controller?

Zur Zeit (schon seit September) sind Frauen aus 6 afrikanischen Ländern da. Einige sprechen französisch, andere etwas englisch, manche nur ihre Stammessprachen. Trotzdem funktioniert die Kompetenzvermittlung offenbar hervorragend. Rahamatu aus dem Niger erklärt mir stolz die Bestandteile und Funktionsweise verschiedener Solarbauteile.

Rahamatu aus dem Niger erklärt den Charge Controller

Sie ist nur etwas enttäuscht, dass ich den Namen des nigrischen Präsidenten noch nie gehört habe aber das wird verziehen und sofort ist ihr strahlendes Lächeln wieder da. Sie erzählt, dass sie mit einer anderen Frau aus dem Niger die ersten aus ihrem Land sind, die in Tilonia lernen können. Sie erzählt auch, dass sie dem barefoot college unendlich viel verdankt. Jeden kleinen Transistor, jeden Widerstand und jede LED kann sie genau beschreiben. Sie zeigt uns die unterschiedlichen Leiterplatten für Charge Controller, einfache Solarlampen und kompliziertere tragbare Solarlampen. Auf einem Tisch liegen alle Bauteile übersichtlich nebeneinander, dahinter die Solarpanele.

das wird alles in den Solarwerkstätten hergestellt

Ich lerne, dass die angehenden Solaringenieurinnen alles was sie für die spätere Solarelektrifizierung ihres Dorfes brauchen, hier schon in Tilonia selbst herstellen. Sie haben den Bauplan jedes Teils genau im Kopf und sind so in der Lage, alle Reparaturen kompetent durchzuführen. Die leuchtenden Augen von Rahamatu vergesse ich bestimmt mein Lebtag nicht.

Rahamatu, Sonnenschwester aus Niger

Die Ausbildung erfolgt überwiegend durch Learning by Doing. Drei Frauen und ein Mann aus dem barefoot college sind Instrukteure. Die meisten der Frauen sind entweder ganz oder weitgehend Analphabetinnen. Ein Großteil der Anleitung erfolgt über Farbcodes, die Instrukteurin kennt die Grundfarben schon in den verschiedensten afrikanischen Sprachen.

die Instrukteurin für Solar-elektrotechnik

An den Wänden hängen Plakate. Auf einigen stehen die Namen, Dörfer und Herkunftsregionen der Teilnehmerinnen, auf anderen sind die Baupläne gezeichnet oder Farbcodes in verschiedenen Sprachen aufgeschrieben. An einer Tafel steht die Aufgabe für heute: „Bau eines charge controllers“. Ein Charge Controller ist ein Bauteil, das im Solarkreislauf für die Steuerung benötigt wird. Es regelt die Stromaufnahme und –abgabe, „ohne Charge Controller geht gar nichts“ („rien ne marche pas!“) – so die Nigerianerin in resolut vorgebrachtem Französisch.

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch bei den Solar Sisters. Die gute Laune in der Werkstatt ist ansteckend.

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Bata – die Filmemacherin empfängt mich

Um 10:30 Uhr deutscher Zeit bin ich heute nach 18,5 Stunden Reisezeit im Barefoot College in Tilonia angekommen

Bunker hat mir schon im Auto erzählt, dass mich Bata erwarten wird, eine junge Frau, die seit ihrem zweiten Lebensjahr im barefoot college lebt. Ihre Mutter ist heute in der Textilwerkstatt beschäftigt, ihr Vater war bis zu seinem Tod als Kommunikationschef angestellt – diesen Job übernimmt Bata. Alle YouTube Filme vom barefoot college  hat Bata erstellt. Bata wird sich um mich kümmern, jeden Tag, rund um die Uhr. Ich bin ein Glückspilz.

Bata empfängt mich mit offener Art und gewinnendem Lächeln – in normal westlicher Kleidung. Ab morgen ist es für mich damit vorbei – Bunker hat mir einfache indische Kleidung verordnet. So beziehe ich mein kleines Zimmer im Gästehaus des college und breche gleich danach mit Bata auf in das alte college – nicht ganz einen Kilometer entfernt, in einem ehemaligen Tuberkulosekrankenhaus. Dort ist die Schneiderwerkstatt und nimmt eine Schneiderin Maß an mir.

Ich darf mir einen Stoff aussuchen – die Wahl ist schwer. Lieber rot-blau? Oder doch orange-braun? Ich entscheide mich für letzteres, ich habe ja schon jede Menge rote Sachen. Bis zum Morgen wird daraus ein Gewand für mich werden.

Am liebsten würde ich mir gleich alles anschauen, aber es geht auf 16 Uhr zu, die Sonne neigt sich und wir verschieben einen Besuch der Textilwerkstätten auf morgen. Batas Mutter freut sich schon,  mir alles zu zeigen. Was ich aber unbedingt noch sehen muss, sind die Ausbildungsstätten der afrikanischen angehenden Solaringenieurinnen.

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Ankunft in Neu Delhi 

Mein Flug war fast eine Stunde verspätet in München gestartet, aber der Captain hat auf die Tube gedrückt, so dass ich in der kurzen Zeit, die ich schlafen konnte, Albträume von militärischen Düsenfliegern hatte und wir am Ende doch ganz pünktlich gegen 7:40 Uhr Ortszeit in New Delhi landeten.

Das Treffen – Globalisierung Live

Dort bin ich den Anweisungen von Bunker Roy gefolgt und habe mich am Ausgang vom Zoll auf eine Bank gesetzt. Keine 15 Min später kam Bunker Roy aus Addis Abbeba…das ist Globalisierung live. Uns erwartete bereits ein Auto aus dem Barefoot College mit Fahrer, aber zuerst fuhren wir zur Wohnung von Bunker Roy in New Delhi, für einen Tee und Toast mit Omelette.

Der Gelbe Nebel – eine Reise in die Vergangenheit

Gestärkt brachen wir auf zur geschätzt 6 Stunden Fahrt nach Tilonia – am Ende waren es nur 4,5 Stunden, die mir auch recht schnell vergangen. Den ganzen Tag habe ich diverse Flashbacks erlebt, an Kindheits- und DDR Zeiten. Das begann mit dem Geruch in New Delhi. Über der Stadt hing ein dichter Smognebel, in dem sogar die landenden Flugzeuge in die Unsichtbarkeit verschwanden. Dieser Smog tauchte alles in ein graugelbliches stumpfes Licht, obwohl die Sonne schon hoch stand und es eigentlich keine Wolken am Himmel gab, blendete das Sonnenlicht nicht.

Dieses Licht kenne ich aus Aue im Erzgebirge, wenn eine Inversionswetterlage verhinderte, dass der Braunkohlenverbrennungsqualm abziehen konnte. Dieser Qualm färbte den Schnee gelbgrau und macht die Atemluft beißend. Aber nicht die ähnliche Farbe brachte mir heute die Erinnerung an Studentenzeiten im Erzgebirge wieder – es war der Geruch verbrannter Braunkohle – längst vergessen und dann mitten in einer Multimillionenstadt wieder lebendig.

Unterwegs fuhren wir lange durch vom Smog graugefärbte Landschaft. Alles war grau, die Strasse sowieso, aber auch alle Autos, alle Häuser, alle Bäume und Sträucher. Sogar die Menschen schienen grau – außer die wenigen Frauen, die in leuchtend rot, orange oder gelbe Gewänder gekleidet waren. Dieses Einheitsgrau erinnerte mich an Rüdersdorf, einen Ort kurz vor Berlin an der Bundesstrasse 1. Dort hat zu DDR Zeiten eine Zementfabrik die gesamte Umgebung versteinert mit grauem Staub. Das gleiche Grau – damals wie heute vor New Delhi.

Von heiligen Kühen und Mopedsozias im Reitersitz

Unterwegs hätte ich gern meine Kamera gezückt und Fotos gemacht, aber man hat Hemmungen, Armut festzuhalten und fühlt sich als ausnutzender Beobachter, der einfach nur mal so vorbei fährt und die Knipse draufhält. Das kann ich nicht. Am Straßenrand gab es Siedlungen an Kreuzungen oder in der Nähe von Städten. Dort drängten sich viele Menschen, mit Lasten auf dem Kopf, in zerschundenen Kleidern, dazwischen immer wieder magere meist hellgraue (ursprünglich weiße?) Kühe und ab und zu Ziegen. Die Kühe grasen oder lümmeln auch auf dem Grünstreifen der Autobahn, manchmal in ganzen Grüppchen – ein merkwürdiger Anblick.

Stark gewöhnungsbedürftig finde ich, dass Frauen im historischen Reitersitz quer also auf dem Moped sitzen – manchmal sogar zu zweit hinter einem Mann. Das wirkt nicht  nur gefährlich sondern ist es sicher auch. Natürlich trägt keine einen Helm. Eine Unebenheit oder ein heftiges Ausweichmanöver und die Frau verliert den Halt – weiter möchte ich gar nicht erst denken. Das Fahrverhalten ist sehr italienisch, es wird viel gehupt und mal rechts und mal links überholt – in sehr dynamischem Wechsel. Dauernd fährt ohne Vorwarnung irgendein Gefährt quer über die Fahrbahn – was zu Hupkonzerten und Vollbremsungen führt. Bunker Roy schnallt sich trotzdem nicht an – er füllt sich vom Gurt beschränkt und braucht seine Freiheit – so argumentiert er. Einmal halten wir kurz zum Tanken, ansonsten geht es ohne Pause Richtung Südwesten, vorbei an Jaipur, nach Tilonia. Die Gegend wird immer trockener, es wirkt schon fast wie Halbwüste. Irgendwann biegen wir ab – Tilonia Village 7 km zeigt ein Schild. Ab da wird es sehr holprig bis zum barefoot college. Dann sind wir da.

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In 1,5 Tagen geht es auf die Reise. Auf dem Wohnzimmerfußboden liegen schon kleine Stapel zum Mitnehmen bereit – Ladegeräte, Akkus, Extraspeicherkarten, eine große und eine kleine Kamera – alles auf Anraten eines Freundes getagged – mit Emailadresse und Telefonnummer, just in case. In einer anderen Ecke liegen Nürnberger Lebkuchen, ein Stollen in einer Blechtruhe und ein paar Früchtebrote – ein bißchen deutsche Weihnacht muss ich einfach exportieren. Ich hoffe nur, dass in Neu  Delhi keine US-amerikanischen Sitten am Flughafen herrschen und ich alles aus Sicherheitsgründen wegwerfen muss.  

Visumantrag 1.0 und patriarchalische Merkwürdigkeiten

Das Visum ist auch besorgt – ein aufwändiger Prozess. Das Onlineformular ist die Hölle. Jede Menge Fehlermeldungen weisen einen darauf hin, dass man „alles falsch eingegeben“ hat. Sehr motivierend. Die Fehlersuche war so schwierig, dass ich die Helpline anrufen musste. Dort meldete sich die Wissenschaftsabteilung, die erst über meinen Anruf irritiert war, aber dann kompetent Auskunft darüber erteilte, dass ich statt Schrägstriche als Trennung zwischen den Datumsbestandteilen meines Geburtstages fälschlicherweise Punkte verwendet hatte – diese wiederum versteht das System nicht. „Alles falsch“ bezog sich offensichtlich darauf, dass ich den gleichen Fehler auch an 2 anderen Stellen mit Datumsangabe gemacht hatte.

Merkwürdig auch, dass ich entweder den „Vornamen des Ehemannes oder des Vaters“ angeben musste. Ich habe keine Ehemann, also habe ich den Vornamen meines Vaters eingetragen – für eine eingefleischte Feministin schon an sich fragwürdig. Ich bin seit über 20 Jahren volljährig, was hat mein Vater mit meiner Reise zu tun? Da ich nirgendwo ankreuzen konnte, wessen Name das nun ist und ob ich verheiratet bin oder nicht, frage ich mich, wie sie das herausfinden. Der Mensch von der Wissenschaftsabteilung meinte auf meine diesbezüglich neugierig gestellte Frage nur: „we check this and we find it out ourselves, believe me“. Okay. I believe you. Trotzdem merkwürdig.

Der „Send“ Button schickte natürlich auch nichts ab, das war auch gar nicht vorgesehen, sondern bewirkte die Erstellung eines pdfs, das man ausdrucken, unterschreiben und selbst  zur Botschaft tragen musste. Dazu 50€ und 2 Paßfotos, 2 Stunden warten bis die eigene Nummer aufgerufen wird, am nächsten Tag Nachmittags abholen. Das wars. Jetzt habe ich ein 6 Monats-Touristenvisum und kann mir überlegen, ob ich nicht im Frühling noch einmal dorthin will. Lust hätte ich jetzt schon.

„Setz Dich auf die Stühle gegenüber dem Ausgang vom Zoll“

Bunker Roy werde ich am Flughafen in Neu Delhi treffen. Er ist gerade in Tanzania und macht sich langsam auf die Rückreise. Er wird kurz nach mir eintreffen von seiner Reise nach Afrika. Seine Anleitung: „As soon as you come out of the customs STRAIGHT ahead are some chairs.I want you to sit there and wait for me to arrive from Addis around the same time. There are some shops around where you could have some tea. DO NOT GO OUT OF THE BUILDING.“ Ich werde mich nicht von der Stelle rühren. Ich hoffe nur, ich warte dort nicht den halben Tag. Wer weiß schon, was so alles mit Fliegern aus dem Rest der Welt passiert. Oder ob es mehrere Zollausgänge gibt. Immerhin hat der Flughafen schon jetzt eine Kapazität von 23 Mio Passagieren, da rennen schon ziemlich viele Menschen täglich über den Flughafen.

„Bombs? Now, put them in the bin“

Der Terminal 2 für die international Flights ist laut Wikipedia „in desparate need of repair, and it is half its size to cater to all its passengers“. Terminal 3 ist noch im Bau und soll noch 2010 der 3. größte Terminal der Welt werden (nach Dubai und Peking). Immerhin gibt es bombensichere Abfalleimer auf dem Airport bei denen Bombensplitter nur noch nach oben fliegen, wie ein Text auf der Flughafenhomepage beruhigend mitteilt – das ganze unter der smarten Headline „Bombs? Now, put them in the bin“ das muss der Commonwealth Einfluss sein bzw. schwarzer, englischer Humor.

Ich lande am 28.12.09 gegen 7:30, Ortszeit. Das ist 3:00 Uhr früh deutscher Zeit. Ich werde ziemlich müde sein. Vielleicht kann ich ja dort auch schon meinen ersten Blogtext in Indien verfassen, vielleicht gibts sogar WLAN auf dem Flughafen, one never knows. Oder ich schlafe einfach ein auf meinem Koffer und hoffe, dass Bunker Roy mich findet, bevor eine Bombe in einem falschen Mülleimer hochgeht. Die bombensicheren stehen nämlich nur im Domestic Terminal.

Den Koffer packe ich morgen, aber viel wird neben Mitbringseln und meiner Elektronik nicht drin sein. Bunker hat mir eingeschärft, nur sehr wenig Kleidung mitzunehmen, da er mir einfache indische Kleidung zur Verfügung stellen will. Im barefoot college leben und arbeiten sehr arme Menschen. Dort mit Markenjeans herumzulaufen paßt vermutlich nicht so gut. Ich bin neugierig, ob ich mich optisch in eine Localista verwandeln werde, wie das dann so aussieht und ob ich mich wohlfühle.

Die Vorfreude  steigt und die Spannung auch. Das Reisefieber ist schon hoch. Apropos Fieber – heute erreichte mich noch ein wichtiger Tipp: nimm Immodium mit, man kann nie wissen…Und wo ich schon bei Krankheiten bin – zum Tropenarzt habe ich es nicht mehr geschafft, aber die laut Botschaft empfohlenen Impfungen habe ich zum überwiegenden Teil schon für eine Venezuelareise vor 2 Jahren erhalten. Das müßte doch noch reichen.

Bald geht es los. nur noch 1,5 Tage.

PS: Hier noch einmal der Link zum Barefoot College und zu meinem Betterplace Projekt, mit dem ich für die Solarsisters Spenden sammele für die Ausbildung von Analphabetinnen zu Solaringenieurinnen.

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