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Ankunft in Neu Delhi 

Mein Flug war fast eine Stunde verspätet in München gestartet, aber der Captain hat auf die Tube gedrückt, so dass ich in der kurzen Zeit, die ich schlafen konnte, Albträume von militärischen Düsenfliegern hatte und wir am Ende doch ganz pünktlich gegen 7:40 Uhr Ortszeit in New Delhi landeten.

Das Treffen – Globalisierung Live

Dort bin ich den Anweisungen von Bunker Roy gefolgt und habe mich am Ausgang vom Zoll auf eine Bank gesetzt. Keine 15 Min später kam Bunker Roy aus Addis Abbeba…das ist Globalisierung live. Uns erwartete bereits ein Auto aus dem Barefoot College mit Fahrer, aber zuerst fuhren wir zur Wohnung von Bunker Roy in New Delhi, für einen Tee und Toast mit Omelette.

Der Gelbe Nebel – eine Reise in die Vergangenheit

Gestärkt brachen wir auf zur geschätzt 6 Stunden Fahrt nach Tilonia – am Ende waren es nur 4,5 Stunden, die mir auch recht schnell vergangen. Den ganzen Tag habe ich diverse Flashbacks erlebt, an Kindheits- und DDR Zeiten. Das begann mit dem Geruch in New Delhi. Über der Stadt hing ein dichter Smognebel, in dem sogar die landenden Flugzeuge in die Unsichtbarkeit verschwanden. Dieser Smog tauchte alles in ein graugelbliches stumpfes Licht, obwohl die Sonne schon hoch stand und es eigentlich keine Wolken am Himmel gab, blendete das Sonnenlicht nicht.

Dieses Licht kenne ich aus Aue im Erzgebirge, wenn eine Inversionswetterlage verhinderte, dass der Braunkohlenverbrennungsqualm abziehen konnte. Dieser Qualm färbte den Schnee gelbgrau und macht die Atemluft beißend. Aber nicht die ähnliche Farbe brachte mir heute die Erinnerung an Studentenzeiten im Erzgebirge wieder – es war der Geruch verbrannter Braunkohle – längst vergessen und dann mitten in einer Multimillionenstadt wieder lebendig.

Unterwegs fuhren wir lange durch vom Smog graugefärbte Landschaft. Alles war grau, die Strasse sowieso, aber auch alle Autos, alle Häuser, alle Bäume und Sträucher. Sogar die Menschen schienen grau – außer die wenigen Frauen, die in leuchtend rot, orange oder gelbe Gewänder gekleidet waren. Dieses Einheitsgrau erinnerte mich an Rüdersdorf, einen Ort kurz vor Berlin an der Bundesstrasse 1. Dort hat zu DDR Zeiten eine Zementfabrik die gesamte Umgebung versteinert mit grauem Staub. Das gleiche Grau – damals wie heute vor New Delhi.

Von heiligen Kühen und Mopedsozias im Reitersitz

Unterwegs hätte ich gern meine Kamera gezückt und Fotos gemacht, aber man hat Hemmungen, Armut festzuhalten und fühlt sich als ausnutzender Beobachter, der einfach nur mal so vorbei fährt und die Knipse draufhält. Das kann ich nicht. Am Straßenrand gab es Siedlungen an Kreuzungen oder in der Nähe von Städten. Dort drängten sich viele Menschen, mit Lasten auf dem Kopf, in zerschundenen Kleidern, dazwischen immer wieder magere meist hellgraue (ursprünglich weiße?) Kühe und ab und zu Ziegen. Die Kühe grasen oder lümmeln auch auf dem Grünstreifen der Autobahn, manchmal in ganzen Grüppchen – ein merkwürdiger Anblick.

Stark gewöhnungsbedürftig finde ich, dass Frauen im historischen Reitersitz quer also auf dem Moped sitzen – manchmal sogar zu zweit hinter einem Mann. Das wirkt nicht  nur gefährlich sondern ist es sicher auch. Natürlich trägt keine einen Helm. Eine Unebenheit oder ein heftiges Ausweichmanöver und die Frau verliert den Halt – weiter möchte ich gar nicht erst denken. Das Fahrverhalten ist sehr italienisch, es wird viel gehupt und mal rechts und mal links überholt – in sehr dynamischem Wechsel. Dauernd fährt ohne Vorwarnung irgendein Gefährt quer über die Fahrbahn – was zu Hupkonzerten und Vollbremsungen führt. Bunker Roy schnallt sich trotzdem nicht an – er füllt sich vom Gurt beschränkt und braucht seine Freiheit – so argumentiert er. Einmal halten wir kurz zum Tanken, ansonsten geht es ohne Pause Richtung Südwesten, vorbei an Jaipur, nach Tilonia. Die Gegend wird immer trockener, es wirkt schon fast wie Halbwüste. Irgendwann biegen wir ab – Tilonia Village 7 km zeigt ein Schild. Ab da wird es sehr holprig bis zum barefoot college. Dann sind wir da.

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