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Posts Tagged ‘Neujahrsfest’

Kerzen und ein Lagerfeuer lassen Kinderaugen leuchten

Der erste Tag des neuen Jahres begann spät, ich schlief bis zehn Uhr. Aber frische Fladenbrote gab es trotzdem, heute sogar besonders feine, mit frischem Kardamom und Gewürzsamen zwischen den Teigschichten. Sehr lecker! Der Tag selbst ist nicht sehr berichtenswert, ich habe den größten Teil davon schreibend  und Fotos sortierend im Telefon-Iglu verbracht.

Am frühen Abend gehe ich wieder in Arunas Garten, dort findet ein kleines Neujahrsfest für die Kinder statt – natürlich wieder mit Lagerfeuer.

Neujahrskerzen werden angezündet

Die Kinder zünden mit großer Begeisterung alle schmale Kerzen an und stecken sie um einen Baum herum.

Kerzenkreis um den Baum beim Neujahrsfest für die Kinder

Es sind erst nur Jungs aber ein paar Mädchen kommen später nach, leider gehen sie auch früher. Auch im barefoot college – einem Hort der Gleichberechtigung – haben es Mädchen schwerer als Jungs. Offenbar werden sie nach Einbruch der Dunkelheit weniger raus gelassen als Jungs, eine andere Erklärung fällt mir nicht ein, vielleicht müssen sie auch beim Zubereiten des Abendessens oder im Haushalt helfen. In der Schule jedenfalls sind die Klassen halbe halbe gemischt.

Ein Schokoriegel ist hier Slowfood

Ich verteile an die Kinder Minibounties, die mit Andacht entgegen genommen werden. Kein Kind reißt das Papier auf und beginnt gleich zu essen. Erst im Laufe der  nächsten Stunde sehe ich ein Kind nach dem anderen vorsichtig den Schokoriegel auspacken und sehr langsam aufessen, gerade zu Kokosraspel nach Kokosraspel. Ich werde nie wieder ein Bounty verschlingen. (mehr …)

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Festkleidung in 9 Schichten

Wir essen früh zu Abend – um 20 Uhr sollen die Lagerfeuer entzündet werden. Draußen im Garten trudeln die ersten Gäste ein. Ich verschwinde noch einmal kurz, um mich umzuziehen. Die Nacht ist mondhell und sternenklar – aber lausekalt. Es empfiehlt sich eine Schichtbekleidung. 

in 9 Schichten Festkleidung mit Aruna - nachts ist es kalt in der Halbwüste Rajasthans

Also ziehe ich Lage über Lage an, über Strumpfhosen und Jeans kommt eine neue blaue Hose aus dem college shop, über die Pullover und warmen Unterhemden kommt ein zweischichtiges Oberteil, ebenfalls eine Neuerwerbung. Eine Totakette wird um den Hals gehängt und an jeden Ohrring ein Tota-Vögelchen montiert, dann noch einen Schal und das obligatorische Tuch umgeworfen (das blaue, das mir Bunker Roy von seiner Afrikareise mitgebracht hatte) und fertig bin ich – festlich gekleidet in 9 Schichten. Schlank macht das nicht gerade, aber darauf kommt es hier auch nicht an. 

Die Madonna von Tilonia

Um 20 Uhr ist der Festplatz voller Menschen, es wird geschnattert und gelacht und auf das Feuer gewartet. Unter den wartenden sehe ich eine Frau mit zwei Kindern, für mich fortan die Madonna von Tilonia. Das Bild spricht für sich selbst. Diese Mutter ist eine der Night School Drop Outs, die ich auch beim Herstellen von Kalendern fotographiert habe. Ihr Blick ist magisch. Dieses Bild mußte ich auch einfach größer hier abbilden, auch wenn das Laden dann länger dauert. 

die Madonna von Tilonia

Die Feuer brennen – Happy, happy Solar Engineer

Das Anzünden der vier Lagerfeuer ist schon der erste Höhepunkt, der von Raunen und Begeisterung begleitet wird. Am Feuer ist es warm und heimelich. Die nächsten vier Stunden vergehen im Fluge. Ein Mitarbeiter des Communicationsteams übernimmt die Rolle des Conferenciers.Nacheinander kommen alle Teams zum Einsatz, um sich vorzustellen, etwas zu singen oder zu tanzen. Natürlich gibt es auch das „Solar-Team“ – die Frauen aus Afrika, die länderweise auftreten. Einige von ihnen haben Lieder gedichtet für diesen Abend, so erklingt „Happy happy solar engineer, happy happy India, thanks to the sun for rising, happy happy solar engineer“.

die Solar Sisters aus Afrika feiern mit

Viele der Afrikanerinnen bedanken sich überschwänglich, sie rufen “India atcha! India atcha!“ (Indien ist gut), sie erzählen, dass man sie vor der Reise warnte, es sei gefährlich in Indien. 

Afrikanische Solar Ingenieurinnen beim Sylvesterfest

Sie erzählen, dass sie dankbar und glücklich sind, sehr viel lernen und dass die Menschen in Indien gut und freundlich sind. Sie danken der indischen Regierung für die Co-finanzierung und Bunker als Leiter des barefoot colleges, sie danken allen, die im college leben und sie dabei unterstützen, hier eine Qualifikation zu erwerben, die nicht nur ihr Leben sondern auch das Leben aller ihrer Dorfmitbewohner verändern wird. Sie jubeln sich gegenseitig bei ihren Auftritten zu. 

Auch die Solarkocher-Monteurinnen haben einen Auftritt. In dem indisch-sprachigen Lied verstehe ich immer wieder die Wörter „solar cooker“. Aruna übersetzt mir grob den Inhalt. Auch in diesem Lied geht es darum, der Sonne dafür zu danken, dass sie für ihre Energie quasi kostenfrei zur Verfügung stellt. 

Eine Riesin tanzt in der Sylvesternacht

Einen weiteren Höhepunkt stellt die Vorführung der Puppenspieler dar, die mit einer Riesenfrau einen Tanz spielen. 

Das Puppenspielerteam fasziniert mit einer tanzenden Riesin

Kurz vor Mitternacht schlagen die Trommeln, es wird im Kreis getanzt und bald tanzt ein Mann mit einem gelähmten Bein und seinem über 2 meter langen Gehstock ausgelassen in der Mitte. 

Mann mit Stock beim Neujahrstanz

Er hatte schon vorher ein Solo getanzt und mich dabei ebenso beeindruckt wie ein taubstummer Mann, der in perfektem Rhythmus zur Trommelmusik tanzte und mich schon fast an Michael Jackson erinnerte. Es gibt viele Menschen mit physischen Handicaps im barefoot college. Sie sind Teil der Gemeinschaft wie alle anderen, fröhlich und selbstbewußt, von allen respektiert und gehen ihrer Arbeit nach wie jeder andere auch. 

Sylvester endet ohne Alkohol  und Böller – das neue Jahr beginnt mit Mondfinsternis

Um Mitternacht wünscht Aruna allen ein Frohes Neues Jahr und lädt zur traditionellen Neujahrssüßigkeit ein. Jeder beglückwünscht jeden. Alkohol fließt keiner, auch andere Getränke gibt es nicht zum Anstoßen. Zwischendurch gab es Milchtee zum Aufwärmen. Hier knallen keine Böller durch die Nacht und hier ist die Feier auch mit dem Beginn des Neuen Jahres vorbei. Die Musikanlage wird um 00:10 abgebaut, die Lichterketten auch, schon eine Viertelstunde nach Mitternacht ist der Festplatz fast menschenleer. Eine Handvoll räumt noch auf und ein paar Teammitglieder von Aruna Roy versammeln sich um die runde Feuerstelle.

Neujahrsmond

Wir schauen alle ständig zum Mond. Es ist eine Vollmondnacht und jemand hat erzählt, dass es gleich eine partielle Mondfinsternis geben soll. Als sich herausstellt, dass sie erst um 1:25 beginnt und auch nur schlecht zu sehen sein soll in Indien, ziehe ich mich zurück. Ich bin totmüde, obwohl es in Deutschland ja erst 20:30 Uhr war. So schnell kann man sich umgewöhnen. Aruna hat mir auch noch 2 Extrabettdecken besorgt, so schlafe ich zum ersten Mal ohne Socken und Pullover und habe es mollig warm. Das neue Jahr kann kommen.

Happy New Year 2010!

 Leseempfehlungen

Artikel Vorbereitungen für das Neujahrsfest 31.12.2009

Artikel Neujahrsfest für die Kinder – 01.01.2010

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Das Telefonhaus – Ort der Kommunikation

Der letzte Tag des Jahres verläuft für mich zumindest tagsüber ereignisarm. Ich sitze viel im Telefonhäuschen und schreibe an meinen Texten, lade Bilder hoch und zeige Lalchand Bagdi, dem Schicht habenden Telefonmann die neuen Webtexte auf diesem Blog. Es fasziniert ihn immer wieder neu, wie er Bild und Text im Internet erscheinen sieht, die ich bei ihm erst zusammengefügt bzw. geschrieben habe. Als ich ein Bild von seinem Tisch machen möchte, setzt er sich schnell dazu und nimmt einen Hörer in die Hand. Das ist in der Tat authentischer, denn eines der 3 Telefone klingelt immer.

Der Telefonhausmanager Lalchand Bagdi

Hier ist den ganzen Tag reger Betrieb. Es kommen Anrufe für die Collegebewohner hier an, dann wird jemand geschickt, den oder die Angerufene(n) zu holen, die atemlos herbeieilen. Bis abends um 22:00 ist das Telefon-Iglu geöffnet. Manchmal ruft mich auch Bata hier an und sagt mir Bescheid, wann sie mich zur nächsten Mahlzeit abholt. Für einen Anruf in den Rest der Welt kommt man ebenfalls ins Häuschen, gibt die Nummer durch, der Telefonmann wählt und die Nummer erscheint auf einem kleinen Kasten an der Wand mit digitalen roten Ziffern in Leuchtanzeigen. Dort ist auch erkennbar, wann eine Verbindung hergestellt wurde und wie lange sie dauert. Ist ein Gespräch beendet, fängt nach dem Auflegen eine kleine Rechenmaschine an zu rattern und spuckt die Quittung für den Anruf aus. In einem großen Buch werden Anrufe festgehalten.

Hier sitze ich also Tag für Tag, wenn ich mein Weblog bearbeite und das Internet benötige. Bilder bearbeite ich jedoch in Batas Office. Dort ist es zwar lausekalt und ich wickele mich dabei in diverse Tücher, aber draußen ist es zu hell. Schreiben geht im Freien geht einigermaßen, zumindest, wenn man sich in den Schatten setzt.

Das Baby auf dem Schoß von Lady Di hat Geburtstag

In Handumdrehen ist der halbe Tag vorbei und wieder Mittagszeit. Wir essen bei Aruna im Garten. Bata zeigt mir die Masken, die sie für das Sylvesterfest gebastelt haben – einen ganzen Korb voll.

Bata mit Sylvestermasken

Auf einem kleinen Mäuerchen werden alle Speisen aufgebaut. Sie stehen in kleinen Metallschälchen als Buffet bereit. Fast jeder hat irgendetwas dazu beigesteuert. Es sind immer kleine Portionen aber so kann man viele verschiedene Dinge ausprobieren. Alles ist sehr lecker.

Sylvester Lunch bei Aruna Roy

Aruna hat ein offenes Haus und häufig sind Gäste da. Heute sind Mitarbeiter aus ihrem Team da. Khushbu ist auch da, ihr Name bedeutet „Wohlgeruch“, sie hat heute Geburtstag. Aruna erzählt, dass Khushbu als Baby auf Lady Di’s Schoß saß (Auf dem Foto rechts mit brauner Strickjacke und hellblauem Tuch). Die Princess of Wales war gemeinsam mit Prince Charles auch schon in Tilonia, im barefoot college zu Gast. Heute bekommen alle Frauen, die bei Aruna zu Gast sind, ein Geschenk – mir schenkt sie eine Kette mit einem großen flachen roten Stein, den anderen Ohrringe. Den Schmuck stellen Frauen einer muslimischen Frauenorganisation in Jaipur her.

Viele Tota Glocken klingen für das Fest und schmücken die Bühne

Weiter hinten im Garten der Familie Roy liegt der Festplatz, auf dem den ganzen Vormittag schon fleißig Vorbereitungen für das Fest am Abend stattfinden. Bata hat einen Berg Totas mitgebracht, mit besonders großen Vögeln und hell klingenden Glocken am unteren Ende. Gemeinsam befestigen wir sie rechts und links von der „Bühne“. Die Bühne besteht aus einem großen Stück schwarzen Stoff, daneben steht schon die Musikanlage und einige Scheinwerfer.

der Festplatz wird mit Totas geschmückt

Neue traditionelle Lichterketten werden aufgehängt (die, die ich zuvor für Vogeltränken gehalten hatte) und solche, die wir kennen – sie blinken bunt und etwas hektisch. Aruna ist nicht davon begeistert aber den meisten gefällt es und so bleiben sie da. Es hängen neue Fahnen zwischen den Bäumen mit Neujahrsgrüßen darauf. Auf dem Boden sind 3 riesige Teppiche ausgerollt, hier werden abends alle sitzen, nach Teams geordnet. Den Platz vor der Bühne bekommen die Kinder.

der Festplatz für Sylvester

Bata hat sich heute schön gemacht, mit einer festlichen weiten Hose aus schwarzem Stoff mit kleinen effektvollen Stickereien, die in der Sonne funkeln. Ich habe das Bedürfnis, zur Feier des Tages etwas Anderes anzuziehen – aber natürlich muss es auch traditionell sein, ich will ja nicht aus der Rolle fallen. Wenn frau der Überzeugung ist, sie hat nichts anzuziehen, geht sie erst mal einkaufen. Eine bessere Ausrede gibt’s schließlich nicht. Genau das mache ich auch und wandere in die Kleiderabteilung des college shops. Dort finde ich jede Menge kurzärmeliger Kleider aber leider wenig langes. Ich muss ein wenig kombinieren und während ich so rechts und links von mir kleine Stapel von Kleidung aufbaue, die in die nähere Auswahl kommen, erhalte ich einen Anruf aus Deutschland. Mein erster Neujahrsgruß und ich freue mich ein Schneekönig, (Schneekönigin sage ich mit Absicht nicht, das hat so eine negative Konnotation auch wenn es grammatisch richtiger wäre). Die Verbindung ist besser, als manchmal in Berlin und während wir miteinander reden, geht mein Gesprächspartner ins Internet und stöbert in meinem Blog. Wir sind beide restlos begeistert, was Technik heute möglich macht. Ich erzähle in bester Tonqualität von meinen Erlebnissen und nebenbei kann er im Internet schon die Fotos sehen zu den Geschichten, die ich erst am Vortag erlebt habe. Faszinierend.

Meine Kleiderauswahl ist mühsam. Am Ende gehe ich mit einem Arm voll Sachen nach Hause, natürlich müssen auch ein paar Totaketten dabei sein. Zum Schönmachen gehört auch Haarewaschen, das ist hier etwas komplizierter als daheim. Ich ziehe mit meinem großen Eimer zur Warmwasserleitung, die auf der anderen Seite des Guesthauses im Hausflur steht. Das Wasser wird durch eine Solaranlage auf dem Dach erhitzt. Jetzt, zur Nachmittagszeit, ist das Wasser besonders heiß. Ich verbrühe mich fast. Es dauert eine Weile bis mit mein Eimer vollgelaufen ist, zumal zwischendurch ein Stockwert tiefer jemand die gleiche Absicht hat und mein Wasserstrahl versiegt, solange er unter mir den Hahn aufdreht. Mit dem Eimer heißes Wasser ziehe ich in mein Bad. Der Eimer wandert auf die Fensterbank, und das Experiment kann beginnen. Wer lange Haare hat und sich einmal belustigen will, sollte auf diese Weise seine oder ihre Haare waschen. Meine Versuche durch Kopf-in-den-Eimer-versenken meine Haare wieder schaumfrei zu bekommen, gaben bestimmt ein Bild für Götter. Ich beschließe das nächste mal eine Tasse aus der Küche zu organisieren, damit kann man sich effektiver Wasser über den Kopf giessen als aus meinen eher kleinen Händen.

Aber irgendwann ist auch das geschafft. Der Fön funktioniert anstandslos auch an einheimischen Steckdosen, nur die Haare fliegen danach in alle Himmelsrichtungen. Aber so what.

Leseempfehlung

Artikel: Das Fest beginnt – Sylvester 2009

Artikel: Neujahrsfest für die Kinder – 01.01.2010

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