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Posts Tagged ‘Regen’

Am siebten Tag: Der erste Regen!

Am morgen des siebten Tages wache ich nach meinen obligatorischen 10 Stunden Schlaf auf und höre ein Geräusch. Ich denke spontan – oh, es regnet, aber muss mich gleich selbst auslachen, wie ich auf so eine dumme Idee kommen konnte. Hier und Regen – jetzt! So ein Unsinn. Ich bin mir meiner Sache so sicher, dass ich nicht einmal rausschaue.

Regen in Tilonia

Als ich eine halbe Stunde später mein Zimmer verlasse, habe ich diesen ersten Gedanken am Morgen längst vergessen und so trifft mich fast der Schlag, als ich auf der kleinen Terasse schräg vor meiner Tür kleine Pfützen entdecke, in denen Regentropfen kleine Ringlein machen. Mein Blick wandert himmelwärts: tatsächlich – alles grau, draußen – alles grau, der Boden feucht und dunkel, ab und an huscht schnell ein mehrfach in Tücher vermummter Mensch vorbei. Es regnet wirklich! Es ist mehr ein kräftiger Niesel als ein Regen. Auf dem Erdboden reicht es gerade, den Staub zu binden. Dort entstehen nirgendwo Pfützen oder Rinnsale aber es ist kühl und feucht. Die Luft ist klamm, so völlig anders als in den bisherigen Tagen.

Ich frage später, ob es nicht ungewöhnlich ist, jetzt Regen zu haben, aber ich erfahre, dass es noch eine Winterregenzeit gibt, die Anfang Dezember anfängt – nur bisher war der Regen ausgeblieben. Dies ist der erste Regen. Die Regenwassertanks wird er auch nicht füllen.

Fladenbrot und Tee zum Frühstück

Diesmal frühstückt niemand auf den Steinbänken im Freien, wo sonst alle die Morgensonne genossen haben. Es ist geradezu voll in der Messe beim Frühstück. Dort sehe ich zwei Europäer und will sie schon ansprechen, als sie aufstehen und gehen. Mein Frühstück ist besonders lecker. Ich hatte am Vortag auf Nachfrage Bunker Roy erzählt, dass mir das Essen sehr gut schmeckt, auch das Fladenbrot, dass das Brot am Neujahrstag aber besonders lecker gewesen sei, es hätte irgendeine Füllung gehabt mit verschiedenen Gewürzen. Daraufhin meint Bunker, ich solle es doch dann  jeden Tag essen und ich kann ihn nicht davon abhalten, die Küche anzurufen und meinen Sonderwunsch durchzugeben. Seit dem bekomme ich morgens immer Extrabrot, das ist mir etwas peinlich den anderen gegenüber aber es schmeckt dennoch köstlich. (mehr …)

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Der Regen bleibt aus

Wir sehen eine Ziegenherde unter einem Baum grasen und Bata erzählt vom Klimawandel. Wie früher alles grün war, es oft und heftig regnete und es immer ausreichend Wasser gab. Jetzt regnet es selten. Die Bäume wurden weniger, wenn einer gefällt wurde, wuchs kaum ein neuer nach. Das grün wurde regelmäßig abgehackt und den Ziegen als Futter gegeben, Gras gab es kaum noch, das sie hätten fressen können. Über den Klimawandel habe ich schon viel gehört und gelesen, Bilder von geschmolzenen Gletschern und ausgetrockneten Flußbetten gesehen. Dennoch wird mir hier in Tilonia die Unausweichlichkeit und das Schicksal derer, die nicht einfach woanders hin umsiedeln können, auf das Heftigste deutlich.

Der Regen bleibt aus

Das Barefoot College macht viel, um das Leben auch in einer trockeneren Zeit lebbar zu machen – Regenwasser wird aufgefangen und unter der Erde gespeichert (darüber wird noch mehr zu berichten sein) und sparsam verwendet für Mensch, Tier und Pflanzenzucht. Aber es bleibt dürr, es bleibt trocken, der Regenwasserspeicher wird immer seltener und immer weniger voll. Es fehlt Grün und es wird immer weniger grün geben. Noch wachsen in Tilonia auch rot blühende Büsche. Doch schon außerhalb der Campus Oase wirkt die Fauna trocken und frei von bunten Farben. Neben dem Gefühl der Ohnmacht – der Prozess hier in Tilonia scheint kaum mehr aufzuhalten – steigt in mir auch Wut hoch. Wut auf die Großen Entscheider dieser Welt, der Vertreter von über 100 Ländern, die in Kopenhagen die Chance vertan haben, dem Klimawandel entschlossener zu begegnen, gemeinsam ehrgeizige Ziele zu beschließen, die für Millionen Menschen das nackte Überleben bedeuten. Dazu kam es leider nicht. Die Weltpolitik hat aus verschiedensten Partikularinteressen versagt und Tausende Dörfer erleben ein Schicksal wie Tilonia – nur ohne College und ohne Beistand. Viele Tausende Dörfer werden einem ähnlichen Schicksal entgegen gehen und machtlos das Verschwinden des Grüns aus ihrer Landschaft erleben müssen.

Tilonia – einziges vollständig solarelektrifiziertes College Indiens

In Tilonia schimpft man nicht auf Kopenhagen, man wartet auch nicht auf Politiker, etwas am Weltklima zu verändern. In Tilonia fängt man damit selbst an. Das College ist das einzige vollständig solarelektrifizierte College in Indien.

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