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Posts Tagged ‘Solarenergie’

Sita Bai – die singende Solarkocher-Monteurin

Wir steigen wieder in den Jeep, der uns in das neue Campus zurück bringt. Dort zeigt mir Bata die Werkstatt für Solarkochgeräte. Am Eingang der Werkstatt treffen wir auf zwei junge Frauen, eine davon steht in einem tiefen Loch, dass sie mit einer Hackschaufel tiefer gräbt.

schwere Arbeit im Erdloch

Daneben, im roten Sari steht Sita Bai. Als Bata sie mir vorstellen will, braucht sie nicht viel erzählen. Ich habe Sita längst an ihrem Lächeln wieder erkannt. Den Film über die singende Solarkocher Monteurin Sita Bai habe ich mehrfach gesehen – er ist auch hier im Blog (rechts unten bei den Links zum Barefoot College) verlinkt. Bata erzählt, dass ich Sita aus dem Film kenne und beide freuen sich – die Protagonistin des Films und die Dokumentarfilmerin.

Sita Bai am selbstgebauten Solarkocher

Sita erklärt mir die Funktionsweise der Solarkocher. Eine Große Parabole ist mit kleinen rechteckigen Spiegeln bestückt – jedes einzeln mit einfachem Draht befestigt.

Befestigung der Spiegel am Solarkocher (Rückwand)

Diese Solarschüssel wird dann zu den Sonnenstrahlen so ausgerichtet, dass diese gebündelt auf die Kochstelle fallen. Dort entsteht so viel Hitze, dass 1 Liter Wasser in 8 Minuten kocht.

Ausrichtung des Solarkochers

Die meisten der zu Solarkochermonteurinnen ausgebildeten Frauen können kaum oder gar nicht lesen und schreiben. In der Werkstatt gibt es jedoch riesige Bauzeichnungen auf dem Boden, nach dem die Solarkocher von ihnen gebaut werden.

Bauzeichnungen für den Solarkocher

Ein Kocher reicht, um für eine 8-köpfige Familie mit Sonnenenergie zu kochen. In Tilonia wird für die große Gruppe der Bewohner gemeinsam gekocht, da ist ein Gasherd doch praktischer. Die Solarkocher werden jedoch auch für den Verkauf hergestellt.

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Was ist ein Charge Controller?

Zur Zeit (schon seit September) sind Frauen aus 6 afrikanischen Ländern da. Einige sprechen französisch, andere etwas englisch, manche nur ihre Stammessprachen. Trotzdem funktioniert die Kompetenzvermittlung offenbar hervorragend. Rahamatu aus dem Niger erklärt mir stolz die Bestandteile und Funktionsweise verschiedener Solarbauteile.

Rahamatu aus dem Niger erklärt den Charge Controller

Sie ist nur etwas enttäuscht, dass ich den Namen des nigrischen Präsidenten noch nie gehört habe aber das wird verziehen und sofort ist ihr strahlendes Lächeln wieder da. Sie erzählt, dass sie mit einer anderen Frau aus dem Niger die ersten aus ihrem Land sind, die in Tilonia lernen können. Sie erzählt auch, dass sie dem barefoot college unendlich viel verdankt. Jeden kleinen Transistor, jeden Widerstand und jede LED kann sie genau beschreiben. Sie zeigt uns die unterschiedlichen Leiterplatten für Charge Controller, einfache Solarlampen und kompliziertere tragbare Solarlampen. Auf einem Tisch liegen alle Bauteile übersichtlich nebeneinander, dahinter die Solarpanele.

das wird alles in den Solarwerkstätten hergestellt

Ich lerne, dass die angehenden Solaringenieurinnen alles was sie für die spätere Solarelektrifizierung ihres Dorfes brauchen, hier schon in Tilonia selbst herstellen. Sie haben den Bauplan jedes Teils genau im Kopf und sind so in der Lage, alle Reparaturen kompetent durchzuführen. Die leuchtenden Augen von Rahamatu vergesse ich bestimmt mein Lebtag nicht.

Rahamatu, Sonnenschwester aus Niger

Die Ausbildung erfolgt überwiegend durch Learning by Doing. Drei Frauen und ein Mann aus dem barefoot college sind Instrukteure. Die meisten der Frauen sind entweder ganz oder weitgehend Analphabetinnen. Ein Großteil der Anleitung erfolgt über Farbcodes, die Instrukteurin kennt die Grundfarben schon in den verschiedensten afrikanischen Sprachen.

die Instrukteurin für Solar-elektrotechnik

An den Wänden hängen Plakate. Auf einigen stehen die Namen, Dörfer und Herkunftsregionen der Teilnehmerinnen, auf anderen sind die Baupläne gezeichnet oder Farbcodes in verschiedenen Sprachen aufgeschrieben. An einer Tafel steht die Aufgabe für heute: „Bau eines charge controllers“. Ein Charge Controller ist ein Bauteil, das im Solarkreislauf für die Steuerung benötigt wird. Es regelt die Stromaufnahme und –abgabe, „ohne Charge Controller geht gar nichts“ („rien ne marche pas!“) – so die Nigerianerin in resolut vorgebrachtem Französisch.

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch bei den Solar Sisters. Die gute Laune in der Werkstatt ist ansteckend.

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