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Aruna – eine der 1000 Women of Peace

Gegen 18 Uhr sind wir wieder bei Aruna eingeladen. Diesmal sind wir im Haus. Es ist wunderschön eingerichtet, mit traditionellem Kunsthandwerk, bestickten Vorhängen, Stühlen made in Tilonia – mit bestickten Ledersitzen sowie sehr vielen Büchern. Aruna erzählt mir von ihrer Kindheit, vom kosmopolitischen Geist ihres Vaters, der so wie sie zwar Inder mit Leib und Seele ist, dem jedoch trotzdem keine Kultur fremd war. Er reiste viel um die Welt (damals ein wesentlich umständlicheres Unterfangen als heutzutage) und sprach mehrere Sprachen.

Aruna Roy in ihrem Garten

Im Elternhaus von Aruna spielte man Bach, Chopin und Tschaikowski genauso wie klassische indische Musik oder Musik anderer Völker. Sie erzählt auch von ihrer Mutter, die ihr früh beibrachte, dass sie unbedingt immer arbeiten soll und ihr eigenes Geld verdienen aber auch alles lernen soll, was man so im Haushalt können muss. Beide Eltern haben ihren Einfluss hinterlassen. Aruna Roy ist eine bemerkenswerte Frau, voll Wärme und Charme aber auch hoch gebildet, rhetorisch begabt, von starkem Willen und von der Leidenschaft beseelt, die Situation der Arbeiter und Bauern – insbesondere aber die der Frauen in Indien zu verbessern. Sie gründete eine der Organisationen, die später erfolgreich das Recht auf Information im Staat Rajasthan durchsetzten und war eine der „1000 Peace Women“ die für den Friedensnobelpreis nominiert waren und hat für ihr Engagement viel Anerkennung erhalten. Wer sich für das spannende Leben von Aruna Roy interessiert kann in einer Biograpie  mehr darüber lesen oder bei Wikipedia  . Für sie typisch ist ein Satz, der im Wohnzimmer auf einem Schrank steht „you have to know the rules so to break them properly“. Kein Wunder, dass Bunker sie einen David nennt, der es auch mit den Goliaths erfolgreich aufnimmt.

Bunker Roy, Gründer des Barefoot College

Etwas später kommt ihr Mann, Bunker Roy, von einem Tag in Jaipur zurück. Aruna hat viele Jahre im barefoot college gemeinsam mit Bunker gearbeitet. Seit 1983 ist sie jedoch beruflich in eigener Initiative unterwegs, was sie häufig in die Region führt. Ihr Leben spielt sich jedoch nach wie vor im college ab, sie kennt jeden, groß oder klein mit Namen und Geschichte. Beiden ist gemeinsam, dass weder Religion, noch Kasten noch Geschlecht für sie irgendeinen Grund für eine Unterschiedsbehandlung darstellen – wenn dann im Sinne der affirmative Action.

Bunker Roy ist dem barefoot college zwar seit der Gründung durch ihn selbst treu geblieben, aber gerade dieses konsistente Engagement treibt ihn ständig rund um den Globus.

Bunker Roy liest Newsweek - das Barefoot College ist Finalist im BBC World Challenge 2009

Mal ist er bei Konferenzen, internationalen Organisationen oder Unternehmen unterwegs, um für das barefoot college Unterstützung einzuwerben oder den erfolgreichen Ansatz der Dorfentwicklung durch Empowerment und Solartechnologie zu verbreiten, oder ist er in Entwicklungsländern unterwegs, um neue Kandidatinnen für die Ausbildung zur Solaringenieurin zu finden oder um laufende Projekte zu besichtigen.

Barefoot College Solar Engineers finden sich schon in über 20 der ärmsten afrikanischen Ländern, aber auch in Bolivien, Afghanistan oder Bhutan. Für seinen Einsatz wurde Bunker mit allen möglichen Auszeichnungen bedacht. Im September erhielt er in Hamburg auf der europäischen Solarenergiekonferenz den renommierten Robert Hill Preis. Trotzdem erscheint Bunker auch auf Galadinners bei solchen Konferenzen stehts in tradioneller indischer Kleidung, er spricht direkt und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Er rechnet auch Unternehmern und Politikern vor, dass die Ausbildung einer Solaringenieurin weniger kostet als eine Woche UN Engagement in Afghanistan. Er spricht mit Ironie, meint aber doch seine Sache immer sehr ernst, z.B. wenn er im Scherz sagt, die Köpfe der Puppen im barefoot college seien aus Altpapier, nämlich aus Worldbank Reports hergestellt worden.

Sein Vorbild ist Gandhi, den er gern und häufig zitiert mit folgendem Satz:  “First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.”

Mehr über Bunker erfährt man weniger auf Wikipedia (die Seite ist spärlich und enthält einige falsche Daten u.a. die vermeintliche Trennung von seiner Frau Aruna). Biographisches über Bunker Roy kann man bei Community Hero lesen, sein Denken versteht man besser, wenn man einen Artikel von ihm über das Empowerment der Dörfer liest, den er für United Nations Chronicle schrieb. Empfehlenswert sind aber auch die verlinkten Videos auf diesem Blog (siehe rechter Seitenrand bei Links), insbesondere die dort verlinkte Rede.

Als im übrigen von der vermeintlichen Trennung des Aktivistenpaar erzähle, gibt es herzliches Gelächter bei Tisch. Wieder was gelernt, Wikipedia ist auch keine Bibel.

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