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Tee wird um 5 Uhr getrunken

Um 17 Uhr lädt mich Bata zur gemeinsamen Teepause ein. Für mich wird ein extra Tee gekocht – alle anderen trinken Tee mit Milch. Mit Milch kann mich jagen. Der Tee wird in einen Topf mit kochendem Wasser geworfen, aufgekocht und dann durch ein Sieb in kleine Tassen gegossen.

mein Tee ohne Milch wird zubereitet

Tee heißt hier Tschai – das Wort habe ich schon mit 10 Jahren gelernt im Russisch Unterricht. Offenbar haben die Russen nicht nur den Tee sondern auch das Wort dafür aus Indien importiert. Der Tee ist recht stark und leicht gesüßt. Wir sitzen bei den letzten Sonnenstrahlen auf einer Steinbank gegenüber der Messe, in der alle Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden. An der Wand grüßt noch ein von Bata gemalter Weihnachtsgruß.

Frohe Weihnachten - an der Messenwand

Die Tassen waschen wir an der Pumpe neben der Bank aus, das Wasser ist warm und wird aus einer natürlichen Quelle gespeist. Nach dem Tee ziehe ich mich zurück und fange an zu schreiben. Im Zimmer funktioniert das WLAN aber nicht und so bringt mich Bata zur Telefonrundhütte – dort auf der Steinbank gibt es wunderbares WLAN mit schneller Verbindung (auf dem Bild ist die Bank hinter dem Fahrrad).

Telefonhütte und mein WLAN Platz auf der Bank

Ich chatte begeistert auf Facebook mit Stefan, meinem besten Freund. Technik ist einfach toll! Es wird schnell dunkel, das campus hat keine Wegbeleutungen und so sitze ich bald im Finsteren, Licht kommt nur vom Notebook. Da wird blindschreiben zum Vorteil. Um 19 Uhr (mein Magen knurrt schon sehr) gibt es Abendbrot. Wir ziehen die Schuhe aus und gehen in die Messe.

Die Messe von innen - hier wird gemeinsam gegessen

Das Foto ist vom Tag danach – ich wollte nicht gleich am ersten Tag die Dorfcommunity beim Essen fotographieren – so hat man einen Eindruck von dem Raum. Beim Essen sitzt man auf dem Steinfußboden, das fiel mit mir Jeansrock etwas schwer, ging aber auch. Die Schuhe bleiben draußen. In der Messe hängt auch ein Gestell an der Wand für die Blechteller. Von dort bedient man sich. Die Teller haben ganz wie frühere Kantinenteller mehrere Unterteilungen für die verschiedenen Speisen.

das Tellerboard (mit Metalltellern)

In der benachbarten Küche bekommt man das Essen. Aus mehreren großen Töpfen und Schüsseln kann man sich selbst etwas nehmen, für mich wurde eine extra Portion Gemüse geschmort – mit extra wenig Schärfe. Dazu gibt es Reis, eine Linsencurry-Sauce und indisches Fladenbrot. Das Fladenbrot kommt direkt von der Herdplatte. Das Essen ist nicht ganz so einfach, es gibt kein Besteck. Die anderen sind virtous dabei, mit dem Fladenbrot auch die flüssigeren Bestandteile der Speisen aufzunehmen und zu essen. Der Reis wird mit den anderen Speisen vermischt, mit den Fingern zurechtgeknetet und in den Mund geschoben. Bata kann sich das Elend offenbar nicht länger ansehen, ich bekomme einen Löffel. Es schmeckt köstlich und der Koch freut sich, dass ich mir von meinem Spezialgemüse gleich zweimal Nachschlag hole.

Nach dem Essen werden die Teller an einem Steinwaschbecken mit mehreren Wasserhähnen (so wie auf Zeltplätzen) gewaschen. Eine Art Waschpulver hilft, auch das Fett abzubekommen.

Nach Abendessen schreibe ich wieder an meinen Blogtexten – viel Zeit bleibt nicht, schon um 20 Uhr bin ich zu einem Lagerfeuer eingeladen. An einem extra dafür eingerichteten Platz sitzen schon die Teammitglieder von Aruna Roy im Kreis um das Feuer. Die in die feste Lehmerde gegrabene kreisförmige Ausbuchtung für das Feuer ist mit schönen Ornamenten verziert. Außer Aruna sitzen alle auf der Erde, mir ist das zu kalt. Nachts sinken die Temperaturen sehr schnell unter 10 Grad. Ich habe meine wärmsten Sachen an aber muss schon sehr dicht an das Feuer rutschen, um nicht zu frieren. Bata ist wie immer sehr aufmerksam und bringt mir einen kleinen geflochtenen Hocker. Darauf sitzt es sich gleich doppeltgut. Die Romantik des Abends ist umwerfend. Über uns der funkelnde Sternenhimmel, darunter ein Lagerfeuer, um das herum singende Menschen sitzen. Es ist wunderschön.

am Lagerfeuer wird gesungen

Die anderen singen noch weiter, aber mir fallen die Augen zu – im Flugzeug hatte ich nur eine Stunde geschlafen in der vorgegangenen Nacht. Mit dem singen im Ohr verabschiede ich mich in die Nacht. Bata bringt mich zum Gästehaus, wir gehen dabei am Weihnachtsbaum vorbei. Zu Weihnachten war er noch mehr geschmückt. Im Barefoot College feiert man alle hohen Feiertage.

der Weihnachtsbaum im Barefoot College

Im Zimmer ist es lausekalt, ich hatte vergessen, das Fenster zu schließen. Ich lasse meine warmen Sachen allesamt an, von der Strumpfhose bis zum Wollpullover, schlage die dünne Bettdecke doppelt übereinander (sie ist groß genug) und schlafe schnell ein. Nach deutscher Zeit war es noch früh, erst 18:30, aber ich war müde genug und schlief seelenruhig bis um 8 Uhr morgens – 3:30 Uhr deutscher Zeit durch.

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